Der Bootsfriedhof von Lampedusa

Wenn Flüchtlinge in Lampedusa ankommen erreichen sie den Hafen in der Regel auf den hellgrauen Flottenschiffen der Finanzpolizei; der Guardia di Finanza.  Aber wo sind eigentlich die Boote, in denen die Flüchtlinge das Meer überquert haben?

Früher wurden die Flüchtlinge in ihren Booten zehn Meilen vor Lampedusa gerettet – heute allerdings zehn Meilen vor der libyischen Küste. Das hat mir Fabrizio erzählt, ein Mitglied von Askavusa – er erklärt Touristen und Gästen häufig die Militarisierung der Insel und wie sich die Abläufe der Flüchtlingsaufnahme in den letzten Jahren verändert haben. Mittlerweile werden die Boote auf hoher See einfach versenkt. Eine Meeresverschmutzung, die besonders den Fischern von Lampedusa ein Dorn im Auge ist.
Vor einigen Jahren wurden die Boote noch auf die Insel gebracht, in den Hafen oder in die Nähe der stillgelegten Militärstation Loran. Sowohl dort – im Inselinneren – als auch im Hafen lassen sich noch einige Boote finden. Die meisten wurden mit der Zeit zerstört und kleingehäkselt. Askavusa hat Gegenstände aus den Booten gerettet und beherbergt diese in einer permanenten Ausstellung im Porto M. Doch sie haben auch Bootsplanken mitgenommen, mit denen sie die Außenwand ihres Hauptquartiers verkleidet haben.

Einige Boote liegen allerdings immer noch in der Nähe des Hafens, unmittelbar hinter dem Fußballplatz. Die Inselbewohner nennen diesen Ort – treffenderweise – den Bootsfriedhof. Ein bedrückender Ort, der Fragen stellt: Wie viele Menschen mussten im Inneren dieser Boote ausharren und wie lange? Haben sie geschlafen? Sind sie der Panik verfallen? Wie haben sie den Seegang und den Gestank der modrigen Boote im Dunkeln und auf viel zu engem Raum überstanden? Wie viele Menschen haben diese Fahrt überhaupt überstanden und wie viele von ihnen sind im Inneren dieser Boote gestorben? Was bedeuten die arabischen Schriftzeichen auf den Planken? Was hat der Schlepper den Flüchtlingen versprochen? Und wie groß muss die Verzweifelung gewesen sein, die eine Überfahrt mit diesen Booten für sie zur besten oder wahrscheinlich einzigen Chance werden ließ?

Der Bootsfriedhof von Lampedusa: Bilderstrecke

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