Konzert bei Sonnenaufgang

Der letzte Tag des LampedusaInFestivals beginnt früh: Am Samstagmorgen um 4.00 Uhr treffen wir uns für ein ganz besonderes Konzert.

6.00 6.30 6.48Uhr 7.15 7.47Bereits der Ort ist ungewöhnlich: Von der Innenstadt aus fahren wir zu den sogenannten Steinkreisen, die selbst für Ortskundige schwierig zu finden sind. Wir steigen an der Straße aus und gehen zu Fuß weiter. Die Stille wird lediglich von einem gemütlich wummernden Stromgerät unterbrochen, das den historischen Ort mit Licht und der erforderlichen akustischen Verstärkung ausstattet.

Zwischen den Scheinwerfern haben sich etwa 40 Interessierte versammelt und wärmen sich mit Decken und Bier.
Um 5.15 Uhr tritt Nino Taranto vom historischen Archiv Lampedusa an das Mikrofon heran und spricht einige einleitende Worte. Er erklärt, dies sei der älteste Ort, an dem sich nachweislich Menschen auf Lampedusa aufgehalten haben – nämlich vor 7000 Jahren. Die architektonischen Relikte weisen Ähnlichkeiten zu einigen Orten in Großbritanien auf, was das Territorium in der Nähe der Isola dei Conigli noch geheimnisvoller macht. Ursprünglich fanden hier vor allem kulturelle Treffen statt – eine Tradition, die heute fortgeführt werden soll.

Nach einem halbstündigem Referat übernehmen die Musiker. Zu ihnen gehören Andrea Marino am Kontrabass, Nicola Alesini am Saxophon, der seinem Spiel unter intensivem Einsatz einiger Effektgeräte eine ganz besondere Note verleiht und – natürlich – Giacomo Sferlazzo. Mit seinem üblichen Spettacolo hat das Konzert heute nicht viel gemein: Ansagen und Geschichten gibt es heute nicht, statt einzelner Lieder über die Geschichte Lampedusas bekommen die musikliebenden Frühaufsteher einen dichten Klangteppich geboten, den die drei Musiker über dem steinigen Terrain ausbreiten. Sie beginnen in vollständiger Dunkelheit und hören erst auf zu spielen, als sich das Zwitschern von Vögeln und lärmende Autos in ihre Darbietung einreihen. Drei Stunden, ohne Pause. Der anschließende Applaus ist ohrenbetäubend.

Später erzählt mir Giacomo, dies sei das dritte Konzert dieser Art gewesen, aber keines hätte ihn bisher so überwältigt: Der Ort, die Menschen, die Musik. Auf seinem Blog schreibt er später: „An diesem Morgen haben wir gewonnen. Ich bin sicher, dass die jungen Leute, die Frauen und die Kinder in unserer Mitte heute etwas gespürt haben, als sie die Sonne sahen“.

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